Hintergrund und Zielsetzung
Die (Studien-)Beratung steht vor einer Zäsur. Durch die weite Verbreitung Künstlicher Intelligenz wird die reine Informationsvermittlung und kognitive Problemlösung zunehmend automatisierbar. Damit rückt die Frage nach dem Kern menschlicher Beratung neu in den Fokus: Was bleibt, wenn „Informationsrecherche und Wissenserwerb“ delegierbar werden? In diesem Themenheft wollen wir Beratung wieder stärker verstehen als einen Raum für unmittelbare Begegnung, schöpferische Kreativität und ganzheitliches Erleben – Aspekte, die über rein sprachliches „Darüber-Reden“ hinausgehen.
Das klassische Beratungssetting, in dem zwei Menschen gegenübersitzend ein Gespräch führen, stößt oft dort an Grenzen, wo emotionale Blockaden, abstrakte Informationsfluten, komplexe Entscheidungskonflikte oder körperliche Stressreaktionen das Studium bestimmen. Hier braucht es methodische Erweiterungen, die den Beratungsprozess spürbar, sichtbar und handelbar machen.
Ziel dieses Themenhefts ist es, Ansätze vorzustellen, die Impulse aus handlungsorientierten, gruppendynamischen Verfahren in den Beratungsalltag integrieren. Dabei geht es nicht um die Übernahme therapeutischer Heilaufträge, sondern um die Nutzbarkeit von Konzepten und Methoden aus verschiedenen Verfahren und Schulen als Interventionswerkzeuge für Berater:innen im Hochschulkontext. Wir laden Beiträge ein, die zeigen, wie Beratung jenseits von Reden durch „Tun“ an Qualität und Tiefe gewinnen kann.
Thematische Schwerpunkte
Wir suchen Beiträge, die sich z.B. aus folgenden Ansätzen Impulse für die Beratungsarbeit an Hochschulen herleiten:
- Das Paradigma des Life Designing: Beiträge, die Beratung als aktiven Gestaltungsprozess der Lebens- und Berufsbiografie verstehen und kreative Wege zu beruflicher (Identitäts-)Konstruktion aufzeigen.
- Psychodramatische und soziodramatische Impulse: Einsatz von Rollenwechsel, Skulpturarbeit oder szenischem Handeln, um soziale Gefüge und innere Anteile im Beratungsraum lebendig werden zu lassen.
- Systemische (Aufstellungs-)Arbeit: Visualisierung von Systemen durch Bodenanker, Figuren oder Raumkonstellationen, um komplexe Beziehungs- und Entscheidungsstrukturen greifbar zu machen.
- Körperorientierte Ansätze und Embodiment: Einbezug von Körperwahrnehmung und Präsenzübungen zur Selbstregulation und zur Aktivierung impliziten Wissens.
- Erlebnispädagogik und Outdoor-Orientierung: Beratung in Bewegung (z.B. Walk-and-Talk) oder in der Natur, um durch physische (Grenz-)Erfahrungen oder Umgebungswechsel neue Perspektiven zu eröffnen.
- Kreativ-mediale Impulse (Kunst & Musik): Nutzung von Musik, bildnerischem Gestalten, Metaphern oder Medien als Brücke zu Themen, die sprachlich schwer fassbar sind.
- Digitale Erlebnisräume: Einsatz von Virtual Reality (VR) oder immersiven digitalen Tools, um neue Erfahrungsräume für Reflexion und Training zu schaffen.
Neben theoretisch-konzeptionellen Beiträgen und reflektierten Praxisberichten sind ausdrücklich auch empirische Studien willkommen, die zur Evidenzbasierung dieser handlungsorientierten Ansätze beitragen. Wir möchten aufzeigen, wie diese Impulse sicher und verantwortungsvoll in das professionelle Handeln von Berater:innen integriert werden können. Beiträge sollten nicht nur die bunte Welt der Möglichkeiten darstellen, sondern immer auch (z.B. institutionelle) Limitierungen oder personelle Anforderungen (z.B. Qualifizierung, Ressourcen) mitdiskutieren.
Hinweise zur Einreichung
Bitte reichen Sie Ihren Beitrag für das Themenheft bis zum 30.09.2026 ein an zbs@universitaetsverlagwebler.de, mit allen Heft-Herausgeber*innen im CC:
Prof. Dr. Dennis Mocigemba (dennis.mocigemba@hdba.de)
Martin Scholz (martin.scholz@zuv.uni-hannover.de)
Prof. Dr. Juliane Fuge (juliane.fuge@hdba.de)
Malte Hübner (huebner@kfsn.uni-hannover.de)
Geplanter Erscheinungstermin ist das 4. Quartal 2026 (Ausgabe ZBS 4/2026).
Weitere Informationen zu Einreichungen finden Sie unter https://www.universitaetsverlagwebler.de/autorenhinweise
Ihre Rückfragen beantworten wir gerne ebenfalls per Mail oder telefonisch unter 0521/923610-13

