Wolff-Dietrich
Webler (Hg.)
Universitäten am Scheideweg ?! - Chancen
und Gefahren des gegenwärtigen historischen Wandels in
Verfassung, Selbstverständnis und Aufgabenwahrnehmung
Ergebnisse des Hochschulforums Sylt 2008
Ist der Weg von der Idee der Gemeinschaft der Lehrenden und
Lernenden zu Universitäten in differenzierten Leistungsklassen
als Produktionsunternehmen für wirtschaftlich verwertbare
Erkenntnisse und hoch qualifizierte Arbeitskräfte unumkehrbar?
Gibt es einen dritten Weg?
Die Entwicklung
hat sich schon Jahrzehnte abgezeichnet – jetzt ist der
Wandel in vollem Gange (und vermutlich unumkehrbar). Die Universitätsleitungen
in Deutschland sehen sich – von ihnen gewollt oder nicht
– einer Entwicklung gegenüber, die “ihre”
Universität täglich verändert und die –
provokant zugespitzt – in die Formel gefasst werden
kann:
Von der Idee der Gemeinschaft der Lehrenden und Lernenden
in grundsätzlich gleichen (gleichrangigen) Universitäten
zu einem Produktionsunternehmen in differenzierten Leistungsklassen,
das Wirtschaftlichkeitsregeln durchgängig folgt und das
vordringlich wirtschaftlich verwertbare Erkenntnisse und Arbeitskräfte
erzeugt.
Diese Situation, die die deutsche Universität so nachhaltig
verändern wird wie kaum etwas anderes vorher, stand im
Zentrum des Hochschulforums Sylt 2008. Dort
wurde gefragt:
Gibt es einen dritten Weg?
Die zentrale These lautet: Wenn nicht korrigierend eingegriffen
wird, dann wird die Universität als kollegiale Veranstaltung
verlassen – mit weitreichenden Folgen für Zusammenhalt,
Produktivität, Verantwortungsstrukturen, für Art,
Niveau und Profil von Forschung, Lehre und Studium bzw. Art,
Niveau und Profil der Absolvent/innen. Bisherige kollegial
integrative Meinungsbildungs-, Entscheidungs-, personelle
Ergänzungs-(Berufungs-)verfahren werden von betriebsförmigen
Strukturen abgelöst. Dieses Neue enthält Chancen
und Gefahren – in welchem Umfang und mit welchem Ergebnis
ist offen. Das Ergebnis aber ist für die deutsche Gesellschaft
und weit darüber hinaus von allergrößter Bedeutung.
Hier setzt das in diesem Band vorgelegte Konzept des Hochschulforums
2008 an.
Hochschulforscher, Universitätsrektoren/-präsidenten
und Mitglieder aus Wissenschaftministerien haben sich für
acht Tage in Klausur begeben, mit dem Ziel die weiteren Konsequenzen
der Maßnahmen zu vergegenwärtigen und sich zu vergewissern,
ob und wie diese Folgen gewollt werden.
Das Ergebnis – bestehend aus Analysen und Handlungsempfehlungen
– wird hiermit vorgelegt.