Klaus Dieter Bock
Seminar-/Hausarbeiten -
...
betreut, gezielt als Trainingsfeld für wissenschaftliche
Kompetenzen genutzt
...
ein Schlüssel zur Verbesserung von Lehre und zur Reform
von Studiengängen
Ein
Text auch für Studierende
Seminar-
bzw. Hausarbeiten könnten ein besonders ergiebiges Trainingsfeld
sein, auf dem die Kompetenzen, die insgesamt die Fähigkeit
zu wissenschaftlichem Arbeiten ausmachen, geübt und entwickelt
werden: z.B. argumentieren, analysieren, vergleichen, interpretieren,
Theorien anwenden/entwickeln. Die hier eigentlich vorhandenen
Lernmöglichkeiten bleiben jedoch in der gegenwärtig
üblichen Seminar-Praxis häufig ungenutzt. Die Entwicklung
dieser Fähigkeiten im Studium wird weithin dem Zufall
überlassen, weshalb kaum jemand auf die Idee kommt, die
Themen von Seminar- bzw. Hausarbeiten explizit so zu bestimmen,
dass diese Fähigkeiten geübt werden könnten.
Zur Verbesserung dieser immer wieder beklagten Situation genügt
es also nicht, den Studierenden ausführlichere Rückmeldungen
auf ihre Leistungen zu geben.
Der
Erwerb dieser Kompetenzen müsste zunächst explizit
unter die Lehrziele "normaler" Veranstaltungen aufgenommen
werden, damit man Seminar- bzw. Hausarbeiten gezielt fürs
Training dieser Kompetenzen einsetzen kann. Erst dann ist
es möglich, den Studierenden eine gezielte Rückmeldung
zu geben und nicht nur irgendeine auf eine irgendwie gute
Arbeit. Und nur so können Studierende erfahren, dass
sie - im Sinne wissenschaftlichen Studiums - etwas gelernt
haben, was sie gelernt haben und "wo sie stehen".
Zu
dieser motivationsfördernden Erkenntnis und damit zur
Verbesserung der Lehre könnten Seminar- bzw. Hausarbeiten
beitragen, wenn Lehrende genauer bestimmen, wozu Seminar-
bzw. Hausarbeiten - ausser zum blossen Erwerb eines "Scheins"
- dienen sollen, und wenn sie die damit verbundenen Mühen
auf sich nehmen. Solche Überlegungen sollen hier durch
Klärung der komplexen Zusammenhängen angeregt werden.